Menschen, Tiere, Sensationen
Wir bezeichnen uns als aufgeklärte und zivilisierte Gesellschaft. Doch es genügt ein Blick in das tag-tägliche Fernsehprogramm um schnell zu erkennen was hinter den glitzernden Konsumfassaden der westlichen Welt unter Zivilisation verstanden wird.
Nach Talkshows mit journalistisch tiefgründigen Themen wie “Nenn’ meine Mutter nicht Schlampe”, geht jetzt der Macher der Big-Brother-Reihe Endemol Entertainment in den Niederlanden mit der “Großen Spendershow” auf Sendung, bei der sich die unheilbar krebskranke Lisa entscheiden muss welchem der drei Dialysepatienten sie eine Niere spenden wird. Autos gewinnen langweilt eine übersättigte Gesellschaft - da kann sie noch so zivilisiert sein, und wie es aussieht wenn Menschen 365 Tage lang in einem Container essen, duschen, streiten und ficken weiss mittlerweile auch ein Jeder. Wer Unterhaltung mit Spiel, Spaß und Spannung garantieren möchte braucht wirkliche Schicksale.
Welchem der Kandidaten die kleine Lisa ihre letzte Gabe vermachen wird und für welche Dialysepatienten es leider nicht gereicht hat ins Finale zu kommen, erfahren wir dann wahrscheinlich nach der Werbeunterbrechung.
Auf “schockierende Weise” wolle der Sender etwas gegen die mangelhafte Spenderbereitschaft unternehmen, erklärte BNN-Chef Laurens Drillich mit wohltätigen Worten und womöglich wird es der Sendung neben millionenhoher Einnahmen auch tatsächlich gelingen vereinzelte potentielle Spender zum Nachdenken anzuregen. Man darf also gespannt sein wann das erste Kind aus einem Dritte-Welt-Land als verlierender Kandidat in der “Großen Hungershow” vor laufender Kamera verendet, um Gesellschaft und Politik der westlichen Welt für die Problematik zu senisbilisieren.
Was ethisch vertretbar ist und was es zu ächten gilt, darüber ist sich die Geselschaft immerhin einig.
Während bei der Tat von Armin Meiwes, hierzulande auch unter seinem medienwirksamen Alias “Der Kannibale von Rothenburg” bekannt, ein allgemeiner Konsens darüber herrschte die Tat moralisch zu tiefst zu verurteilen, obwohl alles nach Verlangen und beidseitigem Einverständnis von sowohl Täter als auch Opfer statt fand, kann bei der “Großen Spendershow” kaum davon ausgegangen werden dass die konkurierenden Kandidaten tatsächlich ihre Befriedigung darin finden, mit Quizfragen oder Selbstdarstellungen um ihr Leben zu spielen. Doch Geld macht’s wie in diesem Fall nicht nur möglich, sondern auch gleich noch wohltätig.
Wie ärgerlich für Endemol und Herrn Meiwes dass die Verstümmelung und Verspeisung von Bernd Brandes nicht rechtzeitig als Exklusivbeitrag für die “Große Kannibalenshow” gewonnen werden konnten.
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