Terrarien am Bersarinplatz
Die Immobilienmarkler haben längst verstanden dass ihre sanierten Altbauten im Trendbezirk Friedrichshain besonders für zugezogene, jüngere Menschen von Interesse sind. Um die alten DDR-Plattenbauten vermieten zu können bedarf es jedoch etwas Kreativität, zeichnen sich diese schliesslich nicht unbedingt durch modernen Wohnkomfort aus.
So versucht auch die Bersarinplatz GmbH sich noch eine Scheibe vom gegenwärtigen Gentrifizierungsprozess abzuschneiden. Die neu sanierten WBS 70-Platten rund um den Bersarinplatz gilt es momentan den Yupis als hippe Wohnkultur für Szenefreaks zu verkaufen. Die ehemaligen Arbeiterschließfächer der Wohnungsbauserie 70 werden zum “Geckohaus” umbenannt und dem potentiellen Mieter auf der Webseite erläutert weshalb es sich lohnt “selbst ein Gecko zu werden”. Da wäre vor allem: “der Style - na klar!”, und wen das alleine nicht überzeugt, der sollte wissen dass ein Gecko in unmittelbarer Nähe zu den coolsten Bars und hippsten Clubs der Stadt wohnt. “Unser Vermietungsteam” stellt sich vor und scheint sowohl in der Berliner Undergroundszene als auch im Immobiliengeschäft so richtig credibility zu besitzen.
Weshalb die kleinen, niedlichen Echsen gegenwärtig so sehr im Trend liegen, dass neben den Szeneplatten am Bersarinplatz, etliche Bars und Lounges, Softwareunternehmen oder die Rendering Engine der Mozilla Foundation danach benannt wurden bleibt leider unbeantwortet. Vielmehr steht jedoch auch die Frage im Vordergrund wie man junge, hippe Mieter am besten erreicht. Auch darauf fand die zuständige Werbeagentur eine schnelle Antowort: Streetart!
Kreative, versteckte Botschaften in einer Grauzone zwischen illegaler Wildplakatierung und selbstklebenden Abziehbildern mit einem Hauch von Anarchie. Und so wurde der Kiez kurzerhand mit einem unglaublich authentische Beitrag zur Friedrichshainer Streetartszene in Form von Stickerspam zugeklebt. Keine klassiche kommerzielle Werbung, aber fast genauso aufdringlich und dominant, mit der unglaublich mysteriösen Botschaft “www.geckohaus.de“. Dort kann dann auch die entsprechende musikalische Hintergrundbeschallung gewählt werden: der moderne Club-DJ und De-Bug-Leser auf Wohnungssuche, wird sich sicherlich für den Sound “electrowall” entscheiden und bei “eastside drums” und “cooking chic” entsteht sofort die gepflegte Lounge-, Laptop und Latte Macchiato-Athmosphäre der umliegenden Trendcafés.
Na da versteht wohl selbst Mediaspree mehr von Jugendkultur.
Die Inhalte dieser Seite sind verfügbar unter der Attribution-NonCommercial-ShareAlike-Lizenz.
